Die Bestoption für Ihre Quartierswärmeversorgung
entdecken, finanzieren, planen und umsetzen
Wärmenetze sollen einen bedeutenden Beitrag zu einer klimaverträglichen Wärmeversorgung des Gebäudesektors leisten. Viele Gebäudeeigentümer warten in den Städten darauf, dass ihnen der Anschluss ihrer Gebäude an ein Wärmenetz angeboten wird. Damit wäre für sie die Sache mit dem Heizungstausch erledigt. Wir sollten uns aber im Klaren darüber sein, dass der co2-Emissionsstopp nicht durch Wärmenetze erreicht wird, sondern nur durch die Substitution von CO2-Emissionen verursachenden Energieträgern/-quellen durch solche, deren Nutzung eben keine CO2-Emissionen verursachen. Was ist gewonnen, wenn ihr Gebäude nun mit Fernwärme beheizt wird, deren Dekarbonisierung vielleicht erst 2040 oder 2045 erreicht wird, weil früher der Wasserstoff in ausreichender Menge zu günstigen Preisen nicht zur Verfügung steht.
Würden wir die Notwendigkeit zum Stopp von weiteren CO2-Emissionen wirklich ernst nehmen, dann würden wird die bestehenden Fernwärmeversorgung mit Vorlauf-temperaturen von 80 bis 98 °C auf das Potenzial der in der Stadt auch langfristig sicher verfügbaren höhertemperaturige Abwärme aus Industrie, Rechenzentren, … konzentrieren und uns im Übrigen um die Nutzung der Niedertemperatur-Wärmeenergie kümmern, die wir in den natürlichen Wärmespeichern in unserer Nahumgebung finden: See- und Flusswärme, oberflächennahe Erdwärme und Grundwasser, oder eben die überall gegebene Außenluft. Mit der Wärmepumpentechnologie haben wir die Technologie zur Hand, um die Umgebungswärme auf das für die Raumheizung und Warmwasserbereitung nötigte Temperaturniveau zu bringen. Die Wärmeübertragung muss durch Niedertemperatur-Netze (Vorlauf <70 °C) und Kalte Netze erfolgen.
Die Umgebungswärme kann gebäudeindividuell oder im Rahmen von Wärmenetz-Neuentwicklungen energie-/stromeffizient genutzt werden. Vorrang hat zunächst die Klärung, ob für jedes Gebäude im Quartier eine gebäudeindividuelle Lösung möglich wäre. Wichtig ist sodann die Klärung, ob durch eine netzgebundene Lösung, z.B. ein Niedertemperatur-Wärmenetz zur Nutzung von See- und Flusswärme oder ein Kaltes Netz zur Nutzung von Erdwärme und Grundwasser in der Betrachtung mit und ohne Förderung kurz- und langfristig die energie- und kosteneffizientere Lösung erreicht wird.
Bei den netzgebundenen Optionen der Wärmeversorgung spielt für das Preisniveau der Wärme die rechtliche Trägerform des Wärmenetzes eine zentrale Rolle. Die stabilsten und langfristig kostengünstigsten Wärmepreise werden dort erreicht, wo sich nach dänischem Vorbild die Gebäudeeigentümer im Stadtteil/Quartier zur gemeinschaftlichen Trägerschaft und Finanzierung eines ihren Wärmeinteressen dienenden Wärme-/Anergienetzes in einer Verbrauchergenossenschaft organisieren. Wo die Gebäudeeigentümer das Eigenkapital für den Betrieb des ihrer Eigenversorgung dienenden Wärmenetzes aufbringen, da muss der Betrieb keinen hohen
Vorsteuergewinn als Voraussetzung für Gewinnausschüttungen erwirtschaften. Die niedrigeren Heizkosten sind für die Gebäudeeigentümer der return-on-invest. Mit fortschreitender Schuldentilgung und Abschreibung entsteht hinsichtlich der Kapitalkosten eine Kosteneinsparung, die für die Kompensation von steigenden Betriebskosten genutzt werden kann. Dies ist der Grund, warum in den Wärmverbrauchergenossenschaften, die ich konzeptionell mit auf den Weg brachte, die Wärmepreise für oftmals bis zu 10 Jahren keiner Anpassung bedurften.
Selbstverständlich müssen auch diese Eigentümernetze durch die üblichen Planungsbüros fachlich bestens geplant und durch unternehmerisch und fachlich qualifiziertes Personal geleitet werden. Im Rahmen einer Kooperation mit den lokalen Stadtwerken kann diesen die Aufgabe der technischen und kaufmännischen Betriebsführung übertragen werden.
Die großen Herausforderungen für die Finanzierung, den Bau und die Betreibung von Wärme-/Anergienetzen durch Verbrauchergenossenschaften liegen in der frühen Phase der Projektentwicklung. Die Gebäudeeigentümer bringen das für den Bau notwendige Eigenkapital im notwendigem Umfang erst ein, wenn im Rahmen der technischen Vor- und Entwurfsplanung eine relativ sichere Kenntnis bezüglich der Investitionssumme und der Gestehungskosten der Wärmeversorgung besteht. Wie durch ein Zusammenwirken von Eigentümerinitiativen, Kommune, Land und Bund diese non-profit Daseinsvorsorge auf den Weg gebracht werden kann, bildet meinen aktuellen Beratungsschwerpunkt. Wenn wir das soziale Thema und die aus der Ohnmacht geborenen populistischen Bewegungen ernst nehmen, dann darf sich die Innovation im Wärmesektor nicht auf die Technik beschränken. Die Erneuerung unseres gesellschaftlichen Zusammenwirkens muss dazu kommen!
